Trying To Get To Memphis (CD)

Elvis ist hier leider nicht immer so verständlich, wie man es gerne hätte (gerade bei so einer *feinen* Show) und auch die Lautstärke muss hin und wieder angepasst werden, um ein gleichmäßiges Bild zu behalten.

Witzig wird es aber trotzdem auf jeden Fall, denn schon beim Intro stoppt Elvis für einen kurzen Moment seine Mannschaft (!?) und auch nach „That´s allright“ hat er Schwierigkeiten mit dem Timing, weil er mit „left a good job in the city“ um einen Takt zu früh einsetzt.

El ist sehr gut aufgelegt, scherzt immer wieder mit der Band als auch mit dem Publikum, dass ihm deutlich hörbar (immerhin ein Vorteil der Audience-Aufnahmen – man weiß immer, wie die Leute auf bestimmte Sachen reagieren) aus der Hand frisst.
Waren wir es bisher bei „Polk ..“ gewohnt, dass Elvis mit Ronnie mitzählt und spätestens beim beim 4ten *Wumms* „too many!“ einwirft, fängt er hier erst bei „three“ an mitzuzählen und meint nach no.5 nur gelassen „that´s enough“. Gerade diese Kleinigkeiten sind es, die für mich den Reiz ausmachen und dadurch gewisse Shows aus der Masse der Veröffentlichungen herausstechen lassen.

Auch wenn „Johnny B Goode“ mit 1:42 etwas kurz ausfällt – der Texthänger in der 2ten Strophe (immerhin!) und das unübliche Solo von Burton machen das locker wett. „It´s impossible“ fängt gut an – und geht noch besser weiter. Irgendetwas (genauere Infos willkommen..) passiert auf der Bühne, Gelächter im Publikum.. Charlie sagt etwas und Elvis antwortet nach einer weiteren Textzeile. Dann eine neuer Start .. und die folgende Version ist einfach nur schön. Das folgende Medley wird überraschenderweise mit einer Zile aus „Wole lotta..“ erweitert, was hörbar gut funktioniert. Den Reaktionen im Publikum nach dürfte sich Elvis ziemlich viel bewegen und auf der Bühne herumtigern und auch Charlie ist vernehmbar gut drauf.

Kein Wunder – bei dem Boss ist gute Laune unwillkürlich ansteckend. Vor „Hound dog“ die bekannte Story aus der Ed Sullivan Show (sunnofabitch **) und „..this is a heavy heavy message song“. Auf das wie gewohnt gebrüllte “you ain´t!” folgt etwas (für mich jedenfalls) etwas ziemlich Seltenes: Elvis beginnt den Song als lupenreinen Blues, und lässt ihn dann langsam in die bekannt schnelle Version überleiten.

Dann die 1te *grosse* Überraschung des Abends: „Memphis Tennessee“ .. und noch dazu in einer fast kompletten Version! Ein wahrlich seltener Livesong  „you don´t know the words you fool..“  und noch dazu in dieser Länge *kreisch* :D Spätestens hier wünscht sich der 70er-fan einen qualitativ brauchbaren Video-mitschnitt *seufz*. Gleich darauf der nächste *Hit* - „we recorded 400 songs, and you want "Trying to get to you" ?? well, ok!” Die Version erinnert ein wenig an Burbank, aber Elvis macht hier noch ein wenig mehr Druck.

„Suspicious minds“ kommt kraftvoll und mit einem gedehnten Outro, bietet aber ansonsten keine nennenswerten Höhepunkte. Aber die Ladies am Bühnenrand kommen während der 5min24 sicher voll auf ihre Kosten. *Kuss und Schal erbeutet.. die Frisur hält* :D :D :D

Nach den Introductions (die hier entweder auffallend zurückhaltend oder geschnitten sind.. infos anyone?) kommt *jawollja!* „I´m leavin´“. Sehr gefühlvoll rübergebracht, nur fährt die Meute hier offenbar deutlich auf den Rock´n´Roll des King ab, schade eigentlich bei solchen Einlagen. Nach „Lawdy..“ kommt der leider letzte Song ** des Abends, „The impossible dream (the quest)“. Wunderschön, druckvoll und doch verletzlich, mit einer herrlichen Schlußeinlage von J.D. ** Letzter deswegen, weil die Original-Songs leider nicht zur Verfügung stehen/standen, und daher durch die vom Tag danach ersetzt wurden. (die komplette Show kennen sicherlich einige von der Import „I don´t wanna sing these songs“) Elvis ist bei „Bridge..“ gut verständlich (deutlich besserer Klang als die Hauptshow, auch wenn ein ständiges leichtes Rauschen zu vernehmen ist, dass aber den Hörgenuß keinesfalls mindert) und mir persönlich gefällt diese Version hier besser als ein Jahr zuvor und auch als die ein Jahr später folgende(n).

Die perfekte Mischung aus Gefühl und Power! Die letzte Strophe wird nach verdientem Applaus wiederholt.. Betonung auf Wiederholt.. nicht auf *heruntergespult*. An sich ein würdiges Closing, aber diesmal verdient sich „Can´t help..“ den Titel *Rausschmeisser* keineswegs. Warum? Nun, Elvis singt hier nicht wie meist üblich die schnelle Version herunter, sondern bringt zusammen mit den Inspirations eine getragene, leichte Version des Filmsongs. Die Bonustakes vom Tag zuvor: „Jailhouse Rock“ gibt mehr gas als vermutet und macht wirklich Spaß „Rock´n´Roll“! „It´s over“ kommt hier einen Tick schneller gesungen als 11/2 Jahre später auf Hawaii, aber trotzdem um nichts weniger gefühlvoll. „You´ve lost..“ war im Jahr zuvor sicher ein wenig getragener, aber auch diese Version kommt gut rüber und macht einmal mehr deutlich, dass Elvis es wie fast kein anderer schaffte, Sanftheit und Kraft dermaßen in ein und den selben Song zu legen. Kurz: Ein absolutes Highlight und "Must Have" – nicht nur für Soundboard-Fetischisten! ;-)