Elvis war ein Menschenrechtler

Zusammenfassung von dem CNN-Interview mit Linda Thompson am 18.08.2002

Aus Graceland Nr. 148

Larry King: Wie alt warst du, als du Elvis kennen gelernt hast, und wie ist das passiert?

Linda: Nun, du weißt vielleicht, dass Elvis junge Frauen sehr gerne hatte, also war ich sehr, sehr jung.

King: Unter 20?

Linda: Nein, ich war 22 Jahre alt, d.h. ich bin erst kurz zuvor 22 geworden. Aber das auch nur im kalendarischen Sinn, denn in meinem Inneren war ich noch viel, viel jünger. Ich bin in den Südstaaten in einer sehr beschützenden, sehr traditionellen, sehr konservativen Umgebung aufgewachsen.

King: Also warst du zwar 22 Jahre alt, aber -

Linda: von der emontionalen Reife her war ich eher 13 Jahre alt.

King: Wo habt ihr euch kennen gelernt?

Linda: Ich war Miss Tennessee. Ich wurde 1972 zur Miss Tennessee Universe gekürt. Ja, und Elvis war Elvis. Ich war in das "Memphis Theatre" (Kino) eingeladen, das er für sich uns eine Begleiter nach Mitternacht angemietet hatte, um dort Filme anzusehen.

King: Willst du damit sagen, dass er nicht zu einer normalen Vorstellung ins Kino gehen konnte?

Linda: Oh nein. Er konnte nie eine normale Kinovorstellung besuchen. Darum mietete er das Memphian Theatre nach der gewöhnlichen Öffnungszeit.

King: Und da haben die euch die neuesten Filme gezeigt?

Linda: Ja, wir sahen aber auch einige alte und viele Karate-Filme.

King: Mochte er Karate?

Linda: Ja, er liebte es. Und er mochte auch Action-Filme dieser Art. Also ich war eingeladen, mit in dieses Kino zu gehen. Ich nahm meine Freundin Jeannie LaMay mit. Sie war die Miss Rhode Island und meine Zimmergenossin während der Miss-Wahl gewesen. Sie lebte auch in Memphis. Wir beide gingen in das Kino und wurden Elvis dann so richtig offiziell vorgestellt!

King: Einfach so, "Hallo das ist die Miss Tennessee...."

Linda: Hallo, das ist die Miss Tennessee. Hallo Süße, wo hast du nur mein ganzes Leben gesteckt?

King: Ging er da gleich so ran?

Linda: Oh ja. Nun ich denke, er war von meinem Aussehen begeistert.

King: War Elvis zu dieser Zeit verheiratet?

Linda: Nein, war er nicht mehr. Wir haben uns am 6. 7. 1972 kennen gelernt, und er war seit Dezember oder Januar von seiner Frau getrennt. Aber das wusste ich damals gar nicht, denn davon wurde in der Presse noch nichts berichtet. Also war ich ganz schön abweisend zu ihm, denn ich war ein anständiges, gläubiges Südstaatenmädchen.

King: Wart ihr nebeneinander gesessen?

Linda: Er hat sich neben mich gesetzt. Während dem Film kam er und ließ sich auf den Sitz neben mich plumpsen.

King: Und was hat Miss Rhode Island dazu gesagt?

Linda: Die war neben mir und boxte mit dem Ellbogen die ganze Zeit leicht gegen meine Rippen. Und dann machte Elvis den alten, ich gähne und strecke meine Hände-aus-Trick.

King: Was hast du dir als im Geiste 13-jährige gedacht?

Linda: Ich war davon überzeugt, dass er ein verheirateter Mann war und war sehr abweisend zu ihm. Irgendwann hat er dann mal gesagt: "Du Schätzchen, ich bin nicht mehr verheiratet, weißt du?" Ich habe gleich darauf erwidert: "Nein, das wusste ich nicht, tut mir leid, dass deine Ehe nicht funktioniert hat, hättest eben ein Mädchen aus den Südstaaten heiraten sollen."

King: Das hast du zu ihm gesagt?

Linda: Ja, das habe ich, und Elvis hat das auch nie vergessen. Später sagte er mir, das hätte ihn sehr beeindruckt, weil es so ehrlich und gerade heraus gewesen war. Er sagte, du hattest ja keine Ahnung, wie Recht du mit dem gehabt hast, denn nur wer in den Südstaaten aufgewachsen ist, versteht die Kultur richtig. Elvis war ein richtiger Südstaatler. Und ich denke auch, das hat uns vom ersten Augenblick an verbunden. Wir mochten uns sofort und waren wie Seelenverwandte.

King: Waren viele Leute an diesem Abend mit euch im Kino? Und was waren das für Leute?

Linda. Es waren ungefähr 25 Leute da, lauter Freunde und Bekannte von Elvis.

King: Kannst du dich an den Film erinnern?

Linda: Nein, kann ich nicht! Um ehrlich zu sein, ich hatte es schon am nächsten Tag vergessen, welcher Film das gewesen war.

King: Was ist am Ende des Abends passiert? Hat er dich nach Hause gebracht?

Linda: Nein, ich bin nach Hause gegangen. Ich wohnte zu der Zeit mit in dem Haus meiner Tante Betty. Ich ging einfach nach Hause, aber um 4 Uhr morgens klingelte das Telefon.

King: Hast du ihm wohl die Telefonnummer gegeben?

Linda: Ja, er hat sich meine Nummer aufgeschrieben. Ich war die Miss Tennessee und er sagte einfach, dass er meine Telefonnummer haben wollte. Und ich sagte: Nun, also ich habe keinen Stift und kein Papier. Ich habe ihn die ganze Arbeit machen lassen. Und er ging los und organisierte sich einen Stift und ein Streichholzheftchen und notierte sich meine Nummer. Ja, dann bin ich heim und habe mir die ganze Zeit Vorwürfe gemacht, weil ich nicht ein wenig netter zu ihm gewesen bin. Ich dachte, er würde mich nie anrufen, nachdem ich mich so benommen hatte.

King: Also wolltest du ihn doch wieder sehen?

Linda: Ja, natürlich! Er war wunderbar! Ich bin sozusagen mit seiner Musik, mit seinen Filmen in Memphis aufgewachsen.
Linda weiter: Also um vier Uhr früh klingelte dann das Telefon. Meine Tante nahm ab, und dann hörte ich nur noch: "Warum...., Ja...., Sie ist...., einen Moment bitte...." Dann deckte sie den Hörer mit ihrer Hand zu und schrie: Oh Gott!! Elvis Presley ist am Telefon!!!! Und ich sagte dann zu Elvis: "Hör mal, ist aber ziemlich spät für einen Anruf!" Er sagte, er wollte mir noch sagen, wie glücklich er ist, dass er mich an diesem Abend kennen gelernt hat und er mich gerne wiedersehen möchte. "Kannst du morgen rüber nach Graceland kommen? Ich möchte dich meinem Vater Vernon vorstellen und dir das Haus zeigen."

King: Das war ja sehr anständig von ihm. Ein wahrer Gentleman! Bist du am nächsten Tag nach Graceland gefahren?

Linda: Ja, gleich am nächsten Tag und Jeannie habe ich auch wieder mitgenommen.

King: Als Anstandswauwau?

Linda: Ja. Ich habe zu ihm gleich gesagt, ich möchte eine Freundin mitbringen. Ich war noch ein sehr unschuldiges, naives, junges Ding. Und Elvis sagte mir, dass meine Freundin mehr als willkommen sei.

King: Was ist an diesem Tag passiert?
 

Linda: Er saß im Jungle Room und wartete schon auf mich. Dort habe ich auch seinen Vater und einige Männer getroffen, die für ihn arbeiteten, z. B. Red West, Sonny West und Joe Esposito. Schließlich endete es mit Golf Carts fahren im Garten. Das hat Spaß gemacht.

King: Hat er dich angemacht?

Linda: Nein, gar nicht. Er war sehr respektvoll!

King: Hat er versucht, dich zu küssen?

Linda: Geküsst hat er mich schon am ersten Abend im Kino, aber das war nur Spaß! Bei meinem ersten Besuch in Graceland war er sehr respektvoll und ein richtiger Südstaaten-Gentleman. Elvis war ein sehr widersprüchlicher Mensch. Einerseits hatte er dieses lasterhafte Image (und er hatte diesen wirklich rauhen, pechschwarzen Humor), auf der anderen Seite war er sehr anständig, religiös und konservativ.

Linda weiter: Nach diesem Treffen bin ich erstmal zwei Wochen von der Bildfläche verschwunden, denn ich ging mit meiner Tante und meinem Onkel in Urlaub. Ich hatte ihm zwar davon erzählt, aber er schien es irgendwie nicht richtig registriert zu haben.

King: Hast du oft an ihn denken müssen?

Linda: Ja, die ganze Zeit. Ich habe seine Musik die ganze Zeit laufen lassen und meine Tante mit Fragen gelöchert. Meinst du, er wird mich wieder anrufen, oder denkst du, er wird mich vergessen haben?

King: Warum hast du ihn nicht angerufen?

Linda: Ich hatte seine Nummer gar nicht, es schickt sich nicht für ein Südstaatenmädchen, einen Mann nach der Telefonnummer zu fragen!

Linda weiter: Als wir aus dem Urlaub zurück kamen und grade das Haus betraten, klingelte auch son das Telefon. Joe Esposito war in der Leitung, und er war ganz aufgelöst. "Mensch, wo hast du gesteckt, wir haben dich in der ganzen Stadt gesucht. Ich kann deine Nummer jetzt schon auswendig", sagte er. Dann kam Elvis ans Telefon und sagte: "Weißt du, ich habe dich überall gesucht, ich war schon ganz verzweifelt! Ich möchte, dass du morgen kommst und mich mit nach Las Vegas begleitest." Das war im August, und ich sagte ihm nur, dass ich sehen müsse, ob ich mir Zeit nehmen könnte, da ich gerade eben aus dem Urlaub zurück gekommen bin! Und er sagte nur: "Komm einfach, das einzige was du mitbringen musst, ist deine Zahnbürste, aber eigentlich brauchst du nicht mal die!"

King: Wusstest du, dass es zwangsläufig auf eine Beziehung hinauslaufen würde, wenn du mit ihm nach Las Vegas kommen würdest?

Linda: Ja, so sah es aus!

King: Hattet ihr in Las Vegas getrennte Schlafzimmer?

Linda: Nein, hatten wir nicht.

King: Also wusstest du, dass da etwas laufen würde?

Linda: Ich merkte schon, dass da etwas im Busch war, aber Elvis war immer noch ein richtiger Gentleman!

King: Bust du in seine Eröffnungsshow gegangen?

Linda: Ja, ich war in der Eröffnungsshow, aber wir waren schon zwei Wochen früher in Las Vegas. Elvis probte zwei Wochen vor der Eröffnung, und auch die Proben sah ich mir an. Er schickte mich einkaufen, zu "Suzy Cream Cheese", die all die exklusiven, ausgefallenen Kleider hatten. Die von dem Laden kleideten mich von Kopf bis Fuß neu und angemessen ein, denn ich hatte nur keine süßen unschuldigen Kleidchen dabei.

King: Das ist jetzt vielleicht eine harte Frage, aber wie war die erste Nacht mit Elvis?

Linda: Wie meinst du das? Als wir in Las Vegas ankamen und ich erfuhr, dass ich kein Zimmer für mich alleine hatte, war ich erstmal schockiert und sagte Elvis, dass ich es wirklich vorziehen würde, mein eigenes Zimmer zu haben. Aber er sagte nur: "Du kannst mir vertrauen, wir können in einem Zimmer sein. Wir können uns hier erstmal besser kennen lernen, du musst dir keine Gedanken machen, mit Sex habe ich es nicht so eilig!

King: Und das hast du ihm abgekauft?

Linda: Nein, es hat sogar Monate gedauert, bis wir intim wurden!

King: Nun, wie habt ihr dann eure erste Nacht in Las Vegas verbracht?

Linda: Zusammen, aber wir haben nur gekuschelt. Und er war ein Mann, der seinem Wort treu blieb.

King: Und es hat dann wirklich Monate gedauert, bis...?

Linda: Ja, sogar einige Monate.

King: Hast du dich da nicht langsam gewundert?

Linda: Nein, garnicht, denn ich wusste ja, dass ich die Zeit bestimmen durfte, wann immer ich bereit dazu war. Ich wollte, dass sich seine Gefühle für mich festigten, das war mir unheimlich wichtig. Ich hatte mir meine Jungfräulichkeit über all die Jahre hin bewahrt, und nun wollte ich es nicht allzu schnell verschwenden.

King: Wo ist es dann letztendlich passiert?

Linda: In seiner Presidential Suite in Las Vegas.

King: Hast du dir seine Shows jeden Abend angesehen?

Linda: Ja, jede Nacht.

King: Haben sich nicht eine Menge Leute gefragt, wer du eigentlich bist?

Linda: Weißt du, er hat mir Lieder gewidmet.

King: Also hat er eure Beziehung von Anfang an öffentlich gemacht?

Linda: Ja, vom ersten Augenblick an!

King: Wie war es, die Freundin von Elvis zu sein?

Linda: Es war in vielen Bereichen so, als wärst du mit einem Märchenprinz zusammen. Er war für mich so eine Art "Weihnachtsmann". Er war ein unheimlich großzügiger Mann.

King: Ihr hattet viereinhalb Jahre eine feste Beziehung und habt zusammen gelebt! Warum hat ihr nicht geheiratet?

Linda: Am Anfang unserer Beziehung hätte ich ihn gerne geheiratet. Aber da war er noch nicht bereit, weil er sich erst sieben Monate bevor wir uns kennen lernten, von seiner Frau getrennt hatte. Als er dann für eine neue Ehe bereit gewesen wäre, wollte ich ihn nicht mehr heiraten, denn ich merkte da schon, dass ich dieses Leben nicht auf Dauer führen konnte.

King: Hast du seine Tochter gleich kennen gelernt?

Linda: Oh ja, sehr schnell. Ich kenne Lisa jetzt schon, seit sie vier Jahre alt ist.

King: Habt ihr noch immer Kontakt miteinander?

Linda: Ja, noch sehr guten Kontakt.

King: Hast du Priscilla auch kennen gelernt?

Linda: Ja, auch Priscilla habe ich getroffen, aber nur ein paar Mal. Priscilla war gar nicht so oft im Bild, als man vielleicht annehmen würde.

King: War er ein guter Vater?

Linda: Er vergötterte sein kleines Mädchen. Er hat sie so geliebt! Wenn man nach dem Maß der Liebe urteilt, und das ist meiner Meinung nach das einzige gültige Maß, dann war ein er ein großartiger Vater.

King: Hatte er Probleme mit seinem Gewicht?

Linda: Ja, die hatte er. Er kämpfte immer mit seinen Pfunden. Er liebte es zu essen. Alle Südstaatler tun das, wir strukturieren unser ganzes gesellschaftliches Leben nach dem Essen!

King: Hat es ihm etwas ausgemacht, wenn er zugenommen hat?

Linda: Ja, das hat ihn sehr gestört. Vor allen die negative Kritik von der Presse machte ihm viel aus. Er war sehr sensibel udn besonders sensibel in diesem Punkt, was andere Leute über ihn denken. Und die negativen Schlagzeilen verletzten seine Gfühle zutiefst.

King: Wart ihr in den viereinhalb Jahren unzertrennlich? Ich meine, hat er sich mit anderen Frauen, und du dich mit anderen Männern getroffen?

Linda: Ich hatte keinen anderen Mann, aber er hat sich mit anderen Frauen verabredet. Nicht im ersten Jahr unserer Beziehung, denn da waren wir wirklich 24 Stunden am Tag zusammen. Ich denke, mit mir hat er seinen Treuerekord aufgestellt.

King: Wie hast du später davon erfahren, dass er sich mit anderen Frauen trifft?

Linda: Nun, er konnte ja nicht viel machen, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfuhr. Und ich bin bestimmt auch kein "Blödchen"!

King: Habt ihr euch deswegen gestritten?

Linda: Wir stritten deswegen. Aber ich versuchte mir immer wieder klar zu werden, dass man Elvis Presley nicht mit normalen Maßstäben messen durfte. Ich habe ihn einerseits verstanden, denn er war so von der Außenwelt abgeschirmt, dass er es einfach genoss, mit anderen Menschen außerhalb seines gewohnten Kreises Kontakt zu haben. Er redete gerne mit Frauen und interessierte sich für sie. Dabei ging es ihm nicht um Sex, er war mir nicht oft im körperlichen Sinne untreu. Er liebte es, mit Leuten zu sprechen, die neue Ideen und Abwechslung in sein Leben brachten.

King: Was war mit Drogen?

Linda: Elvis erlag ganz klar einem Selbstbetrug, denn er redete sich ein, kein Problem mit Drogen zu haben, denn alles war er an Medikamenten nahm, war ihm von Ärzten verschrieben worden, und so dachte er, es war notwendig und konnte nicht falsch sein.

King: Er hat also nie wirklich Drogen genommen, wie Kokain, sondern immer nur Medikamente eingenommen?

Linda: Nein. Elivs hat nie Drogen genommen. Noch nicht mal Alkohol getrunken hat er. Alles was er einnahm, waren Medikamente, die er vom Arzt verschrieben bekam.

King: Sein Doktor wurde nach seinem Tod sogar deswegen angeklagt, richtig?

Linda. Ja, Dr. Nichopolous. Aber es war auch schwierig für ihn, denn Elvis wurde von verschiedenen Ärzten behandelt und die verschrieben ihm, ohne dass sie voneinander wussten, alle diverse Medikamente. Er konnte unmöglich kontrollieren, was Elvis alles alles zu sich nahm.

King: Und niemand konnte ihm eine Bitte abschlagen? Er nahm also verschreibungspflichtige Medikamente, wie z.B. Aufputsch- und Beruhigungsmitte`?

Linda: Elvis nahm viele Schlaftabletten und Schmerzmittel, auch Diät-Pillen und Aufputsch-Beruhigungsmittel!

King: Wie bist du damit fertig geworden?

Linda: Es war sehr schwer für mich, denn ich hatte schon immer etwas gegen jegliche Art von Suchtmitteln.

King: Also hast du selbst nie auch etwas eingenommen?

Linda: Mich fragen Leute oft, wie ich das aushalten konnte, ohne auch einmal schwach zu werden"! Aber weißt du, wenn man jemanden sieht, wie er sich mit so einem Zeug selbst zerstört, das ist die beste Art von Abschreckung. Das war eine große Lehre für mein Leben, so wollt ich nie enden. Ich hätte davon nie etwas angerührt!

King: Hat er versucht, davon weg zu kommen?

Linda: Ja, er hat es ein paar Mal versucht!

King: Ging er irgendwo hin, um Hilfe zu bekommen?

Linda: Ja, wir ließen uns zusammen ins 'Baptist Hospital' einweisen. Ich schlief in einem Bett neben ihm. Da gab es auch ein paar Ärzte, die sich sehr bemüht haben, ihn davon wegzubekommen und ihn auf Medikamente umzustellen, die weniger aggressiv waren.

King: Der Colonel erzählte mir einmal, dass Elvis Geld für Martin Luther King spendete?

Linda: Ja, das stimmt. Elvis war ein großer Anhänger von Martin Luther King. Wir hörten uns seine Ansprachen imemr und immer wieder an. Wir haben sie sogar auswendig gelernt, weil die Stimme und die Betonung von Martin Luther King so inspirierend und aussagekräftig waren. Wir waren ja sowieso die ganze Nacht wach und haben nach Beschäftigung gesucht!

King: Das ist etwas, was für die breite Masse völlig unbekannt ist. Elvis war im tiefsten Grunde seines Herzens ein Menschenrechtler!

Linda: Ja, absolut richtig!

King: War er ein guter Gitarrist?

Linda. Ja, Elvis war ein guter Gitarrist!

King: Nur nicht großartig?

Linda: Nein, kein großartiger, aber ein guter. Er war im musischen Bereich wirklich ein Naturtalent. Er konnte Gitarre spielen, er konnte Klavier spielen. Wir beide saßen oft in Graceland am Klavier und er spielte für mich!

King: Wie war es für dich, immer seine Konzerte anzusehen. Manchmal 33 Abende lang?

Linda: Ich ging sehr gerne zu seinen Shows. Er hat oft zu mir gesagt, dass ich nicht immer mitzugehen brauche und ich mir gerne eine andere Show, z.B. von Tom Jones ansehen könnte, oder einen Abend ganz frei machen, aber sich wollte das nicht. Sagte immer nein, ich will nichts verpassen.

King: Du hast nach seinem Tod Liedtexte, u.a. für Whitney Houston, geschrieben. Hast du jemals für ihn Liedtexte geschrieben?

Linda: Ich habe ihm sehr, sehr oft Gedichte geschrieben. Und in meiner Ignoranz habe ich ihm nie erlaubt, dass jemand eine Melodie dazu schreibt. Denn nicht im Entferntesten habe ich daran gedacht, dass ich später einmal Liedertexte veröffentlichen werde. Ich hatte ganz andere Schwerpunkte. Ich wollte vielleicht mal ein Buch mit meinem Gedichten herausbringenm mit einigen Fotos, die ich gemacht hatte. Ich war auch sehr naiv und ignorant, was die Veröffentlichungsrechte betrifft. Eigentlich ja süß! Er liebte mich wahrscheinlich dafür, aber ich wünschte, ich wäre damals nicht so dumm gewesen!

King: Hatte er viel Humor?

Linda: Ja, einen ganz tollen Humor! Sehr derb, schwarz und frech!

King: Konnte er herzhaft lachen?

Linda: Er lachte bis zu seinen Fußnägeln!
 

King: Wie war es mit der Loyalität zwischen der Memphis Mafia und Elvis?

Linda: Elvis war sehr loyal zu jedem, den er liebte! Wir haben früher in diesem Interview schon mal über das Betrügen gesprochen. Und komischerweise habe ich mich nie von ihm betrogen gefühlt, denn emotional hat er mich nicht betrogen. Ich habe immer gespürt, dass er mich innig geliebt hat und dieser Liebe nie untreu war. Darum habe ich seine kleinen, körperlichen Fehltritte verziehen. Ja, er war mir ein paar wenige Male körperlich untreu, aber ich fühlte mich immer von ihm geliebt. Also war er ein sehr treuer, loyaler Mensch. Und mit denen, die er als 'Freunde' bezeichnete, wäre er durch die Hölle gegangen!

King: Die Gruppe von Männern, die ihn umgaben, brauchte er die wirklich alle?

Linda: Ja! Er brauchte sie, und sie brauchten ihn auch! Und sie waren auch sehr loyal zu ihm in den vielen, vielen Jahren. Sie haben Elvis geliebt! Zwischen ihnen gab es eine große Kameradschaft und einen Zusammenhalt wie bei kleinen Jungs, weißt du, nach dem Motto, wo einer hingeht, gehen alle hin. Sie haben sich sogar mit Feuerwerkskörpern beschossen!

King: War Elvis kindisch?

Linda: Ja, das machte einen Teil seines Charmes aus, aber es war auch ein Grund für seinen Abstieg.

King: Warum hast du Schluss gemacht?

Linda: Ich konnte einfach nicht mehr, das ewige Hin und Her! Ich wollte so ein Leben nicht auf Dauer führen, die ganzen Nächte wach, die Tage verschlafen, die anderen Frauen und sein Medikamentenmissbrauch! Ich merkte auch, dass ich an einem Punkt war, wo ich ihm nicht mehr helfen konnte, zumindest nicht so, wie ich es gerne getan hätte. Und damals gabe es auch noch kein "Betty Ford Center"!

King: Wie hast du die Beziehung beendet?

Linda: Elvis hat es mir sehr leicht gemacht! Es stimmte nicht mehr zwischen uns. Ich war mit ihm in San Francisco, und er fragte mich, ob ich zurück nach Memphis fliegen möchte. Er sagte mir, er habe extra für mich den Jet Star einfliegen lassen, um mich nach Memphis zu bringen. Und ich wusste schon ganz genau, dass er das Flugzeug bestimmt nicht nur wegen mir hergebracht hatte, sondern schon eine andere Frau aus Memphis zu ihm geflogen ist. Und meine Vermutung stelte sich auch als richtig heraus. Es war seine Art, mir beizubringen, dass es zwischen uns aus war.

King: War es das letzte Mal, dass ihr euch gesehen habt?

Linda: Ja, da habe ich ihn zum letzten Mal lebend gesehen. Aber wir haben danach noch öfters miteinander telefoniert.

King: Hat er oder habt ihr darüber gesprochen, wieder zusammen zu gehen?

Linda: Nein, das haben wir nicht. Wir haben uns Ende November getrennt, und ich habe ihm kurz vor Weihnachten einen Brief geschrieben.

King: Was stand in dem Brief?

Linda: Nur, dass ich jetzt den Schmerz von zu viel Zärtlichkeit kenne. Dass er immer die große Liebe meines Lebens sein wird, aber ich mich nie wieder in eine Beziehung so total und mit völliger Selbstaufgabe hingeben würde.

King: Wo warst du, als er acht Monate nach eurer Trennung starb?

Linda: In meinem Apartement in Los Angeles.

King: Wie hast du davon erfahren?

Linda: Mein Telefon klingelte, und es war Lisa-Marie. Wir haben öfters miteinander telefoniert, weil wir uns sehr nahe standen. Ich hörte an ihrer Stimme, dass etwas nicht in Ordnung war. Sie sagte dann: "Mein Daddy ist tot, mein Daddy ist tot!" Und ich warf vor Schreck das Telefon in die Luft! Ich sagte: "Nein, nein, das ist er nicht! Dann sah ich aber das Telefon am Boden liegen und nahm mich zusammen, denn schließlich war am anderen Ende der Leitung ein neunjähriges Kind, das in diesem schrecklichen Moment die Geistesgegenwart hatte, mich in einem Fernsgespräch anzurufen. Also nahm ich das Telefon wieder und versuchte etwas zu sagen, was sie beruhigen könnte. Ich sagte, vielleicht hatter er nur wieder Probleme beim Atmen, aber sie sagte: "Nein, Linda, er ist tot, das haben sie mir gesagt!" Also habe ich versucht, sie zu trösten. Danach nahm mein Bruder Sam, der für Elvis als Bodyguard arbeitete, das Telefon und sagte mir, dass es wirklich wahr ist und ich gleich nach Memphis fliegen sollte.

King: Warst du dann auf der Beerdigung?

Linda: Ja, natürlich! Es war schwer für mich. Priscilla und seine neue Freundin waren auch da. Natürlich auch Lisa, sein Vater, andere Familienmitglieder, der Colonel, und auch meine Eltern kamen.

King: Er war gerade mal 42 Jahre alt, warst du geschockt, dass er gestorben ist, obwohl du über seinen Zustand und seinen Missbrauch Bescheid wusstest?

Linda: Ja, ich war geschockt, denn auf so etwas ist man nie vorbereitet. Noch nicht mal, wenn ein alter Mensch stirbt.

King: Aber ich habe gehört, du hast ihm schon oft zuvor das Leben gerettet.

Linda: Ja, das stimmt.

King: Hast du da den Krankenwagen gerufen?

Linda: Ich habe ihm oft das Leben gerettet, durch ganz verschiedene Dinge.

King: Also warst du zwar erschrocken, als du von seinem Tod erfahren hast, aber nicht überrascht.

Linda: Richtig! Im Grunde hat es mich nicht überrascht, denn schon als ich ihn verlassen habe, habe ich mir gedacht: Es wird wohl niemand mehr so dumm wie ich sein, sich so aufopfernd um ihn zu kümmern, wie ich das in all den Jahren gemacht habe. Das eigene Leben aufzugeben, um ihn zu retten!

King: Hat er sich sehr für seine Karriere interessiert? In anderen Worten, hat er sich um seine Plattenverkäufe Gedanken gemacht?

Linda: Nein, nicht im geschäftlichen Sinne. Er hat sich nur für die Fans interessiert, was sie von ihm halten. Er wollte, dass sie immer das Beste von ihm bekommen. Er lebte für seine Musik.

King: Sah er sich keine Verkaufslisten an?

Linda: Nein, nicht mal das. Das wollte er nicht. Er hat immer zu mir gesagt, die guten Kritiken wolle er nicht lesen, weil er sonst vielleicht eingebildet werden und sich auf seinen Erfolg ausruhen würde. Die schlechten wollte er nicht lesen, weil es ihn ärgerlich machte und seine Gefühle zutiefst verletzte.

King: War er sehr selbstkritisch?

Linda: Oh ja, sehr selbstkritisch, und er nahm sich mit seinem Humor oft selbst auf die Schippe.

King: Ja? Er machte sich über sich selbst und seinen Ruhm lustig?
 

King: Ja? Er machte sich über sich selbst und seinen Ruhm lustig?

Linda: Ja, absolut! Er zog seine Lippe hoch und sagte: Was ist das! Worauf fahren die denn so ab! Und manchmal zog er sich auch seinen Schlafanzug bis unter die Brust, stopfte das Oberteil in die Hose, malte sich seine Zähne mit schwarzem Kajalstift an und fragte: Bereit für's Bett? ER hatte so einen wunderbaren Humor!

King. Wir müssen zum Abschluss kommen. Denkst du noch oft an ihn?

Linda: Er ist jetzt 25 Jahre tot. Und er hatte einen enormen Einfluss auf mein gesamtes Leben. Meine Lebensanschauung, meine Ansichten über Liebe, Heirat, Romantik, und was und wie Familie sein sollte, hat er geprägt. Oh ja, ich denke oft an ihn. Sogar Kleinigkeiten erinnern mich an ihn. Er beeinflusste meine Musik und meine Liedtexte, so wie auch all die anderen Leute in meinem Leben, wie z.B. meine Eltern, die ich liebe. Und Elvis liebte ich auch!

King: Danke Linda"

Linda: Ich bedanke mich, Larry.